Kinderklinik Glanzing - Historischer Rückblick

Die Gründung der Kinderklinik Glanzing nach der Jahrhundertwende muß vor einem historischen Kontext gesehen werden: Um 1900 lag die Säuglingssterblichkeit in Wien noch bei 20%. Um ihr wirkungsvoll entgegen zu wirken, gründete Leopold Moll auf Anregung von Theodor Escherich, dem Wiener Pionier der Bakteriologie, am Ende der Epoche der Habsburgermonarchie aus den Geldern des 'Jubiläumsfonds für Kinder' im Jahre 1915 die 'Reichsanstalt für Mütter- und Säuglingsfürsorge', die Kinderklinik Glanzing. Der Fond entstand aus Spenden der österreichischen Völker zum 60-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz-Josef I im Jahr 1908 und betrug 2 Millionen Kronen. Erbgraf Ferdinand von Trauttmannsdorff war Vorsitzender der Kommission 'Für das Kind' zur Gründung und Organisation der Jugendfürsorge. Von Wien ausgehend sollte das Projekt auf die ganze Monarchie ausgedehnt werden. Doz. Leopold Moll (1877-1933), der spätere erste Primar Glanzings, war Assistent der Universitäts-Kinderklinik der Landesfindelanstalt in Prag und legte auf Grund dieser Erfahrungen ein detailliertes Programm vor. Die 'Reichsanstalt für Mütter- und Säuglingsfürsorge' sollte auch als Amt für Säuglingsschutz und Jugendfürsorge fungieren.
Es konnten damals 100 Säuglinge, 24 größere Kinder, 25 Mütter sowie 34 Internatsschülerinnen, 12 Schwestern und 15 Angestellte aufgenommen werden. Es wurde bereits vor mehr als 80 Jahren an unserer Klinik der gemeinsamen Betreuung von Mutter und Kind großes Augenmerk geschenkt, lange Zeit bevor dies erst allmählich wieder in der Kinderheilkunde als notwendig erkannt wurde. ehemalige Kinderklinik Glanzing (WStLA, Foto des Presse- und Informationsdienstes der Stadt Wien)
Die 'Moll-Schwestern' wurden weit über die Grenzen Österreichs zum Begriff, ebenso die 'Moll-Erholungsfürsorge' für tuberkulosegefährdete Kinder oder die 'Moll-Babymilch'.

August von Reuss, der aus Graz nach Wien berufen wurde, setzte diese Tradition in Glanzing fort und beschäftigte sich vor allem mit der Säuglingsernährung. Mit seinem Buch 'Die Krankheiten des Neugeborenen', erschienen in Berlin 1914, wurde er zum Pionier der Wiener Neonatologie. Reuss war bis 1954 tätig.

Nach ihm führten Olaf Jürgenssen und Walter Lesigang die Kinderklinik Glanzing. Im Jahre 1964 übernahm Alfred Rosenkranz die Leitung.

1974 gründete Alfred Rosenkranz  die erste neonatologische Intensivstation in Österreich und setzte damit entscheidende Akzente in der Betreuung Früh- und Neugeborener nicht nur für unsere Stadt, sondern auch für unser ganzes Land.
1991 übernahm Prof. Andreas Lischka die Leitung der Klinik und konnte neue Schwerpunkte setzen wie die Schaffung einer modernen kinderkardiologischen Diagnostik, einer modernen Lungenfuntionsdiagostik (Babyplethysmographie) sowie eines modernen nuerophysiologischen Labors.

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Neonatologsiches Intensivzentrum der Kinderklinik der Stadt Wien Glanzing:

Seit Eröffnung der Neonatologischen Intensivstation der Kinderklinik der Stadt Wien Glanzing  im Jahre 1974 wurden bis 1998 10320 Kinder stationär aufgenommen. Davon hatten 2117 Kinder ein Geburtsgewicht unter 1500 Gramm, 3689 Kinder mußten maschinell beatmet werden. Obwohl die Zahl der Frühgeborenen mit einem extrem niedrigen Geburtsgewicht zunimmt, erhöht sich auch die Überlebensrate: 1994 betrug sie bereits 88,28 %. Positiv wirkte sich dabei der routinemäßige Einsatz von Surfactant und Hochfrequenzbeatmung aus, wie im Vergleich der Daten von 1990 mit 1994 zu ersehen ist.

Übersiedelung ins Wilhelminenspital

Studien aus den Jahren 1993 und 1995 zur Erarbeitung des Wiener Krankenanstaltenplans zeigten Überkapazitäten an kinderinternen und kinderchirurgischen Betten auf. Weiters wurden für Wien maximal drei Perinatalzentren empfohlen. Zwei dieser Standorte – Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien (9. Bezirk) und Sozialmedizinisches Zentrum Ost – Donauspital (22. Bezirk) – waren bereits vorgegeben. Im April 1996 wurde auf politischer Ebene beschlossen, die Intensivneonatologie der Kinderklinik Glanzing bei gleichzeitiger Reduktion der Bettenzahl in das Wilhelminenspital (16. Bezirk) zu integrieren und die Kinderkrankenpflegeschule Glanzing – die sich in Umwandlung in eine Allgemeine Krankenpflegeschule befand - mit 90 Ausbildungsplätzen in die Semmelweis-Frauenklinik zu verlegen - Aufnahme des Schulbetriebs im Herbst 1997).

Das 1962 geschlossene Benützungsübereinkommen wurde Mitte 1999 mit Wirksamkeit vom 31. Dezember 1999 gekündigt und das Areal nach einem am 24. November 1999 erfolgten Gemeinderatsbeschluss von der Stadt Wien erworben.Die Auflassung beziehungsweise Verlegung der Kinderklinik Glanzing ins Wilhelminenspital führte am 9. Juni 1999 auch zu einer schriftlichen parlamentarischen Anfrage von „Doktor Helene Partik-Pablé und Genossen“. Die Beantwortung dieser Frage beschränkte sich im Wesentlichen auf den Umstand, dass der Fonds der „Reichsanstalt für Mutter- und Kinderfürsorge in Wien“ eine eigene Rechtspersönlichkeit sei, dem eine selbständige Weiterführung der Klinik nicht möglich sei und die Auflassung der Kinderklinik dem gesamtösterreichischen Krankenanstaltenplan entspräche.Im April 1999 erfolgte durch Gesundheitsstadtrat Doktor Sepp Rieder die offizielle Inbetriebnahme der "Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde Kinderklinik Glanzing mit Neonatologie und Jugendheilkunde" im Pavillon 21 des Wilhelminenspitals. Die Instandsetzung des im Jugendstil errichteten Pavillons und die Übersiedlung verursachten Kosten in der Höhe von rund 60 Millionen Schilling (rund 4,4 Millionen Euro).

 

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