Gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung mit Ambulanz, Pavillon 28

 

Ambulanz für Patientinnen nach weiblicher Beschneidung (FGM - Female Genital Mutilation) 

 

Ambulanzzeiten: jeder letzter Mittwoch im Monat, 8:30 bis 12:00 Uhr

Telefon: (+43 1) 491 50-4710

Anmeldung: Nach telefonische Terminvereinbarung

 

Weibliche Beschneidung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) ist ein destruktiver Eingriff, bei dem die weiblichen Geschlechtsteile teilweise oder ganz entfernt oder verletzt werden. Diese Praktiken werden von den Ausübenden überwiegend aus der Tradition heraus begründet. Durch Studien dokumentierte Hauptverbreitungsgebiete sind das westliche und nordöstliche Afrika sowie der Jemen, der Irak, Indonesien und Malaysia. Weil das Thema gesellschaftlich tabuisiert ist, ist aber von einer erheblich größeren Verbreitung auszugehen. Es wird geschätzt, dass weltweit etwa 200 Millionen beschnittene Mädchen und Frauen leben und jährlich etwa drei Millionen Mädchen, meist unter 15 Jahren, eine Genitalverstümmelung erleiden.


FGM/FGC wird an Mädchen und Frauen vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter vorgenommen, in den meisten Fällen vor Beginn oder während der Pubertät. Sie wird ohne medizinische Begründung und zum Großteil unter unhygienischen Bedingungen, ohne Betäubung und von medizinisch nicht geschultem Personal oft mit Rasierklingen, Glasscherben u.ä. durchgeführt. So ist sie meist mit starken Schmerzen verbunden, kann schwere gesundheitliche körperliche und psychische Schäden verursachen und führt nicht selten zum Tod.


Deshalb steht FGM/FGC seit Langem in der Kritik von Menschen- und Frauenrechtsorganisationen vieler Länder. Sowohl internationale staatliche Organisationen wie die Vereinten Nationen, UNICEF, UNIFEM und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch nichtstaatliche Organisationen wie Amnesty International, Terre des Femmes oder Plan International wenden sich gegen die Genitalbeschneidung und stufen sie als Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit ein.


Die Folgen hängen vom Typ der Beschneidung ab, diese können von Menstruationsbeschwerden und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr über wiederholte Infektionen bis zu Blasenentleerungsstörungen und Fistelbildung reichen. Auch bei einer Geburt kann es –in Abhängigkeit von Beschneidungstyp und Narbenbildung- zu Komplikationen kommen.

In unserer Spezialambulanz bieten wir einmal im Monat (letzter Mittwoch) nach Terminvereinbarung die kultursensible Erhebung der Beschwerden der Patientinnen nach FGM. Außerdem  erfolgt die Begutachtung und Beratung, ob eine Operation zur Besserung der Beschwerden empfehlenswert wäre. In diesem Fall wird an einem vereinbarten Termin in Vollnarkose – um erneute Schmerzen zu vermeiden- der Narbenbereich eröffnet und – sofern möglich - rekonstruiert.

 

 

 

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Martina Cerny / WEB-Redaktion