Beitrag vom: 08.05.2017

Symposion: 40 Jahre klinische Toxikologie in Österreich

Klinische Toxikologie in Österreich - Von der Kunst des Möglichen

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens hielt die Toxikologische Intensivstation des Wilhelminenspitals vergangenen Freitag ein Symposion ab. In diesem wurden Einblicke in die Tätigkeit der Arbeit von Medizin und Pflege, langjährige Erfahrungen sowie aktuelle Behandlungsmethoden gegeben.

Die zahlreich erschienen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, welche aus dem internen und externen Bereich gekommen sind, wurden von Abteilungsvorstand Prim. Univ.-Prof. Dr. Burkhard Gustorff und Bereichsleiterin Barbara Prochaska, MSc der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin begrüßt. Im Namen des gesamten Teams der Toxikologischen Intensivstation bedankten sie sich für das große Interesse an diesem Symposion.

                                         Team der Toxikologischen Intensivstation, Foto: WIL / Martina Cerny
 

Symposion Teil 1 - Klinische Toxikologie in Österreich


Der bekannte „Vergiftungsexperte“ Prof. Dr. Karl Hruby berichtete von den frühen Anfängen und wie sich die klinische Toxikologie in 40 Jahren entwickelt hat und gab beeindruckende persönliche Einblicke von "damals", als alles begonnen hat.


Dr. Tara Arif und Dr. Dieter Genser von der Vergiftungsinformationszentrale Wien haben einen Überblick über das Spektrum der Vergiftungen in Österreich gezeigt und demonstrierten mit aktuellen Statistiken aus mehr als 20.000 Anrufen pro Jahr die häufigsten Vergiftungen in Österreich und in welcher Altersgruppe diese auftreten. 
 

Symposion Teil 2 – Toxikologische Intensivstation im Wilhelminenspital

Einsicht in der am 14.2.1977 entstandenen Entgiftungsstation gab Stationsleitern Ingrid Auer. Sie erläuterte was in 40 Jahren passierte und wie die jetzt genannte Toxikologische Intensivstation sich als einzige ihrer Art in Österreich als Spezialstation entwickelt hat. Mit imponierenden Fotos von früher und dem Wissen und der Erfahrung von heute wurde dieser Vortrag abgerundet.

DGKP Johannes Rabe präsentierte anhand von Fallbeispielen über den Arbeitsalltag auf der Toxikologischen Intensivstation aus der pflegerischen Sicht und gab Einblicke in Lustige, aber auch schwierig herausfordernde Situationen.

Über verschiedene KO-Mittel und wie diese Patientinnen und Patienten dann auf der Toxikologischen Intensivstation behandelt werden erklärte  Dr. Christian Kleinrath.

Dr.in Nina Grossmann und DGKP Michael Stulik berichten über eine Spezialtherapie – High Dose Insulin – bei Kalziumkanalblockern und gaben lebensrettende neue Erfahrungswerte weiter.

Einsicht in die LIPID Rescue-Therapie gab OA Dr. Stefan Pöchacker. Er gab seine Erfahrungen weiter, wann dieses Spezialverfahren als Freund oder Feind eingesetzt wird.

Dr.in Stefanie Resch sprach über eine der häufigsten Intoxikationen von Österreich und zwar „Paracetamol“ und sie konnte durch Ihren Vortrag aufzeigen, wie gefährlich „einfach“ verschriebene Schmerz-Medikamente sein können. Wie immer: Die Dosis macht’s.

Zum Abschluss informierte OA Dr. Stefan Pöchacker über das zentrale anticholinerge Syndrom (ZAS) und die Erfahrungen über Jahrzehnte dazu mit Antidot Physostigmin.

In der Pause wurde zum Toxi-Kaffee geladen und die Poster aus dem Toxi-Alltag und Kongressbeiträgen präsentiert und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv diskutiert.

Zielgruppe für diese Veranstaltung waren alle Personen, die mit intoxikierten Patientinnen und Patienten zu tun haben (Ärztinnen und Ärzte, Pflege, Sanitätsdienste und viele mehr).

Einleitende Worte und Beginn des Symposions, Foto: WIL / Martina Cerny

Informationen zur Toxikologischen Intensivstation


Die toxikologische Intensivstation ist Teil der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin mit Ambulanz im Wilhelminenspital (Stationsleitung OA  Dr. Stefan Pöchacker, Fachbereichsleiterin Pflege Ingrid Auer, DGKP, Abteilungsleitung Prim. Univ.-Prof. Dr. Burkhard Gustorff).
 
Die Station wurde vor genau 40 Jahren gegründet, damals als einfache Aufwachstation für alkoholisierte Patientinnen und Patienten der Unfallchirurgie noch ohne ärztliche Präsenz. Die Patientinnen und Patienten wurden von Pflegerinnen und Pfleger versorgt.
Die zunehmende Zahl an Patientinnen und Patienten, nun auch mit anderen Substanzen als Alkohol vergiftet und mit immer schwereren Krankheitsbildern führte zur Übernahme der Station durch die Anästhesie und zum schrittweisen Ausbau zur einer vollwertigen Intensivstation, die die „Toxikologie“ nun seit vielen Jahren ist. Es ist dies die einzige Intensivstation in Österreich mit dieser Spezialisierung. Sie ist - nach mehreren Umzügen - nun in einem modernen, gut ausgestatteten Pavillon des Wilhelminenspitals untergebracht.
 
Neben den Aufgaben einer allgemeinen Intensivstation mit Versorgung von Patientinnen und Patienten mit internistischen oder chirurgischen Erkrankungen werden hier die Mehrzahl der schweren Vergiftungsfälle aus Wien und dem Umland behandelt. Dazu gehören Patientinnen und Patienten nach Selbstmordversuchen, meist mit Tabletten, genauso wie Drogenkranke sowie Patientinnen und Patienten mit Vergiftungen durch Pflanzen oder durch Verschlucken von chemischen Substanzen. Es werden pro Jahr im langjährigen Schnitt ca. 1.000 Patientinnen und Patienten ambulant überwacht oder stationär behandelt.
 
Die Behandlung umfasst klinische und apparative Überwachung bzw. Therapie, bis hin zur Beatmung, medikamentösen Kreislaufunterstützung, Blutwäsche („Dialyse“) und hochspezialisierte Behandlungsverfahren für bestimmte Vergiftungen. So werden neben der hochdosierten Gabe von Aktivkohle auch Antidota (Gegengifte) z.B. gegen Gifte des Knollenblätterpilzes oder Fingerhuts, bei Vergiftungen mit bestimmten Schmerzmitteln oder Opiaten und Beruhigungsmitteln eingesetzt.
Regelmäßige Fortbildungen stellen sicher, dass die modernsten Verfahren nach internationalen Standards eingesetzt werden, dies meist als erstes Zentrum in Österreich. Die Ärztinnen und Ärzte der Toxikologischen Intensivstation geben ihr Wissen regelmäßig im Rahmen von Vorträgen in Österreich und auch international weiter und unterstreichen so die Ausnahmestellung als Kompetenzzentrum Intoxikationen in ganz Österreich.

Impressionen vom Symposion Teil 1

Impressionen vom Symposion Teil 2


 

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Martina Cerny / WEB Redaktion (Wilhelminenspital)