Ein „Kammtypus“ hat viele Vorteile
erklärt Krankenhaus Nord Architekt Albert Wimmer im Interview
KAV: Beim Architekturwettbewerb für das Krankenhaus Nord sind von 38 eingereichten Projekten 14 sogenannte „Kammlösungen“ und 3 haben eine „kammähnliche Struktur“.
Auch Ihr Siegerprojekt hat eine „Kammstruktur“. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Architekt Wimmer: Der Kammtypus hat in der Krankenhausarchitektur schon eine längere Tradition. Ein gutes Drittel der beobachtbaren Krankenhausprojekte der letzten 40 Jahre in Deutschland, Schweiz und Österreich hat eine Kammlösung.
Jedenfalls stellt die Kammstruktur nur einen Teil des städtebaulichen Entwurfs dar. Die Hauptkompositionselemente sind die Piazza an der Brünner Straße, der kompakte Kernbereich mit den Atrien sowie die kammartige Auflösung nach Süden mit optimaler Parkzuordnung.
KAV: Was ist an diesem Krankenhaustypus so vorteilhaft? Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Architekt Wimmer: Dieser Krankenhaustypus hat viele Vorteile. Einige davon sind, dass die PatientInnenzimmer und Ambulanzräume, die im KHN in den sogenannten Fingern verortet sind, maximales Tageslicht haben, also das Raumgefühl dort sehr angenehm sein wird. Ein weiterer sicherlich zentraler Vorteil ist, dass Wege für PatientInnen, BesucherInnen und MitarbeiterInnen horizontal und vertikal sehr kurz sind und das Zentrenkonzept sehr gut realisiert werden kann
KAV: Mit dem Projekt Krankenhaus Nord wird ein ehemaliges Industriegebiet in ein Gesundheitsareal umgewandelt. Was kann die Architektur dazu beitragen?
Architekt Wimmer: Die Architektur hatte bei diesem Projekt einerseits die Aufgabe, eine funktional bestmögliche Lösung für den „Betrieb Krankenhaus“ zu finden. Andererseits wird das Projekt ein Meilenstein für den gesamten Einzugsbereich der Brünner Straße werden. Die Bauteile „Mars“ und „Venus“ bilden ein Portal. Die Hochgarage ist gestalterisch voll in die Gesamtanlage integriert, bildet aber gleichzeitig den Lärmschutz zur Hochbahn.
Vom Gesamtareal werden ca. 50 Prozent bebaut – d.h. der Rest des Grundstücks ist als Erholungsbereich nutzbar. Auch hier, bei der Gestaltung der Außenanlagen, kommt die Architektur zum Zug. Die Gestaltung der Außenanlagen wird übrigens von der renommierten Landschaftsarchitektin Prof.in Martha Schwartz geleitet.
KAV: Wie reagieren Sie auf die medialen Vorwürfe?
Architekt Wimmer: Cool. Das mediale Sommerloch ist nicht mein Thema. Wenn jemand wirklich am Projekt selbst interessiert wäre, würden er/sie mich sicher kontaktieren. Das hat bisher aber noch keine/r getan. Aber ich verstehe schon, dass ein Krankenhausprojekt in seiner ganzen Komplexität sehr schwierig zu erfassen und zu kommentieren ist.
Ich und mein Team sind dabei, ein Projekt für die Gesundheitsversorgung der Wiener Bevölkerung zu planen. Das Krankenhaus Nord wird den nationalen und internationalen Vergleich suchen können. Sowohl architektonisch als auch medizinisch und pflegerisch. Alle Planungsbeteiligten auf PlanerInnen- und NutzerInnenseite fühlen sich dem Ziel verpflichtet, hier miteinander ein optimales neues Krankenhaus zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich besonders den 250 NutzerInnen, die hier mit vollem Engagement mitwirken, herzlich danken.
KAV: Wir bedanken uns für das Gespräch.
Das Interview führte Dr.in Astrid Zimmermann für den Wiener Krankenanstaltenverbund.


