Vom Sinn des Zeichnens und Malens mit BewohnerInnen in der Tagesstätte

Das Bedürfnis sich nicht nur in Worten oder Gesten auszudrücken, sondern auch in Bildern das innere Erleben mitzuteilen, ist seit Urzeiten in uns Menschen verankert.
So wie sich beim Kind die Sprache entwickelt, so wächst mit der Entwicklung eine eigene Bilderwelt. In kindgemäßen Zeichnungen dokumentiert sich die Welt so, wie sie erlebt wird.
Beim geistig behinderten Menschen geben Bilder Auskunft über die Entwicklungsstufe und die Beziehung zur Umgebung.

Es gibt viele Gründe warum sich behinderte Menschen nicht frei entwickeln konnten oder nicht entsprechend gefördert wurden. Sehr viel trug bei unseren Bewohner/innen auch das Umfeld in der Kindheit dazu bei, dass die vorhandenen Begabungen nicht genutzt wurden.

Während einer Vernissage im Festsaal malten die BewohnerInnen, Foto: Therapiezentrum Ybbs

Auch der Mensch mit geistiger Behinderung besitzt Phantasie und Kreativität
Nur, diese Anlagen sind oftmals verschüttet, gleich einem Schatz, den es zu entdecken gilt.
Das bedeutet für uns Betreuer/innen, dass wir den Bewohnern helfen müssen, Dinge wahrzunehmen, Neues zu entdecken und dazuzulernen, was in der Entwicklung als Nächstes kommt.
Wer etwas zeichnen will, der muss es sich vorher genau anschauen und vieles darüber wissen, er muss sich etwas vornehmen und in die Tat umsetzen.
Zeichnen und Malen sind Möglichkeiten Kreativität zu trainieren und sich weiterzuentwickeln. Jeder gemalte Gegenstand zeugt vom Suchen nach Formen und Farben.
Humor und Spaß in der Gruppe beflügelt die Phantasie.
Es können aber auch Konflikte durch Bilder sichtbar werden. Eine Bewohnerin malt zum Beispiel bei guter Stimmung ein Haus mit Garten und Sonnenschein. Wenn es ihr schlecht geht, lässt sie erst die Vorhänge beim Haus weg, dann die Sonne - nacheinander alles Andere - bis eine Wiese mit ein paar kahlen Bäumen übrigbleibt.
Malen beruhigt, macht gute Laune. Meist vergisst die vorher beschriebene Bewohnerin, wenn sie ein Stück Papier und Farbe zur Verfügung hat, schnell ihre schlechte Laune.
Wieder ein anderer Bewohner zeichnet ineinanderliegende Rechtecke, die zusammen einen Tunnel ergeben, im innersten Rechteck bleibt er hängen und zieht es unzählige Male nach, dadurch bekommt das Bild Tiefenwirkung. Es hat sehr viel Ähnlichkeit mit seinem Leben, das er seit der Jugend immer in geschlossenen geschützten Bereichen verbracht hat.

Ein verkauftes Werk, ausgestellt im Festsaal während einer Vernissage im Mai 2011, Foto: Therapiezentrum Ybbs

Beim oftmaligen Zeichnen steigt das Selbstvertrauen und die Sicherheit des Ausdrucks. Die Be-wohner/innen gewöhnen sich an selbständiges Handeln, einige brauchen Anleitung und Motivation von außen, andere wollen eigene Ideen verwirklichen. Autorität gibt es beim Malen keine, höchstens eine, die vom Material bestimmt wird.

Sehr stolz sind die Mitglieder unserer kleinen Malgruppe über die Ausstellung der fertigen Bilder im Verwaltungsbereich und in der Pflegedirektion. Die Bilder können selbstverständlich auch gekauft werden.

Wenngleich die Bilder wohl nie den Weg ins Guggenheim-Museum finden werden, so erfahren unsere 'Künstler' doch sehr viel Anerkennung und werden dem Motto 'ICH BIN WERTVOLL'
- unter dem diese Arbeit geschieht - allemal gerecht.

Ringswirth Magda

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