Konzept zur Betreuung jüngerer Bewohnerinnen und Bewohner im PBA

WOHNBEREICH ROSENTAL

Zieldefinition

  • Ziel ist es, jüngeren Bewohnerinnen und Bewohnern im Rahmen der
    TU PWH ein (soziales) Lebensfeld zu schaffen, das annähernd den psychosozialen Bedürfnissen, Sehnsüchten (zwischenmenschlich, kulturell etc.) dieser Altersgruppe entspricht und das sich damit deutlich von jenem der anderen hochbetagten Bewohnerinnen und Bewohner, mit denen sie derzeit leben, unterscheidet.

Zielgruppe

  • Es handelt sich um jüngere Bewohnerinnen und Bewohner unter 60 Jahren, die aufgrund ihrer meist erworbenen reduzierten körperlichen und/oder geistigen Möglichkeiten, aber auch aufgrund entsprechender (progressiver) Erkrankungen einerseits das dichte medizinisch-pflegerische Feld institutioneller Betreuung brauchen aber andererseits in ihren psychosozialen Bedürfnissen durch die derzeitige Angebotspalette nicht befriedigt werden können.

Zitat einer 46jährigen Bewohnerin, deren Nachbarin 92 Jahre alt ist: „Das Leben geht bei mir vorbei, während es bei meiner Nachbarin schon vorbei ist.“
 
„Behinderung ist, wenn mir Möglichkeiten, die andere haben, verwehrt werden.“
 (Martin Ladstätter, Verein BIZEPS, Wien)

Es handelt sich dabei im Wesentlichen um  Menschen mit neurologischen Defiziten nach zentralnervösen Ereignissen, z.B. Insult, Hirnblutung, Trauma aber auch progressiven, zur Invalidisierung führenden neuromuskulären oder zentralnervösen Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose). Die Kompetenz zur Selbstpflege wird meist als signifikant beeinträchtigt beschrieben, ebenso die Mobilität.

Die Ausschlusskriterien sind:

  • Psychosoziale Defizite
  • Sozialpsychiatrische Erkrankungen
  • Akute Drogenproblematik
  • Akute Alkoholproblematik
  • Langzeitbeatmungsbedürftige
  • Apallisches Syndrom

Inhaltliche Definition des Betreuungskonzeptes


Allgemeines

  • Größtmögliche Normalisierung der Lebensbedingungen und der zwischenmenschlichen Begegnung (Begegnungsmöglichkeiten), besonders das Recht auf normale, altersadäquate soziale Erfahrung außerhalb der institutionellen Wohnsituation stehen trotz des massiven Unterstützungsbedarfs dieser Zielgruppe im Mittelpunkt eines derartigen Angebotes.

Das Wohnen im institutionellen Rahmen

  • Angebote an die BewohnerInnen folgen dem Empowerment – Konzept.
    Empowerment steht für Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung und für Entwicklungsprozesse, bei denen Menschen im Laufe der Zeit Kraft gewinnen, derer sie bedürfen, um ein nach ihren Maßstäben gestaltetes, besseres Leben zu führen.
  • Neben der Wohnraumgestaltung erleben die BewohnerInnen aktiv den Wohnalltag und werden entsprechend ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten in die Bewältigung von Alltagspraktiken (Haushalt etc.) einbezogen (Stichwort: nachvollziehbarer Alltag). Gemeinsam werden persönliche Artikel des täglichen Bedarfs, Kleidung etc. eingekauft, kleinere Mahlzeiten auf Wunsch zubereitet.
  • Die Möglichkeit einer derartigen Teilhabe eröffnet dem Einzelnen je nach seinen Fertigkeiten potentiell einen Weg, die Aufgabenfelder des Alltages aktiv und akzeptiert  wertvoll mitzugestalten.
  • Gemeinsame und individuelle, altersgemäße und möglichst sozial-integrative Freizeitangebote werden dialogisch erkundet, dokumentiert und möglichst  realisiert.
  • Periodische, verbindliche und moderierte Bewohnerinnen Besprechungen bearbeiten Konflikte im Zusammenleben, orten Unterstützungs- und Verbesserungsbedarf auf dem Weg größtmöglicher Selbstbestimmung.
  • Gemeinsame Ziele und Problemlösungsstrategien für das Zusammenleben werden protokollarisch festgelegt und in Abständen auf ihre Tauglichkeit überprüft.

Tagstrukturierende Angebote

  • Ein geregelter Tagesablauf ist an sich sinnstiftend. Jeder Ortswechsel schafft Zeitbegriffe wie Vergangenheit und Zukunft.
  • Dagegen ist eine Gleichförmigkeit des Lebens, ohne Unterscheidung von Ort und Zeit, ein charakteristisches Merkmal einer reduzierten Lebensqualität.

Methodisch-didaktische Vorgangsweise – Angebotspalette
Eine Angebotsplanung für die BewohnerInnen orientiert sich an folgenden allgemeinen Kriterien:

Bedürfnis-Interessensorientierung

  • Ich begegne der Bewohnerin/dem  Bewohner dort, wo sie/er in seinen Bedürfnissen, Lern-, Erlebens- und Ausdrucksmöglichkeiten momentan steht und lade sie/ihn ein, auch andere Angebote mit Assistenz zu erfahren.
  • Wahlfreiheit:
    Die Möglichkeit für die  BewohnerInnen, die verschiedenen Angebote/Anbieter kennen zu lernen und dann selbst zu bestimmen, ob und welche Angebote ihren Bedürfnissen, Wünschen, Interessen entsprechen, ist ein  wesentlicher Schritt für ein selbstbestimmtes Leben. 
  • Sinnhaftigkeit des Angebotes:
    Es ist zu überprüfen, ob das jeweilige Angebot für die Bewohnerin/den Bewohner zum jetzigen Zeitpunkt ein entsprechend ihrer/seinen momentanen Möglichkeiten, seinem psychosozialen Befinden und Wünschen bereicherndes Angebot darstellt, kurz: ob damit ihre/seine Lebensqualität potentiell erhöht wird.
  • Organisation/Durchführbarkeit:
    Es ist zwischen dem Betreuungsteam und den Bewohnerinnen und Bewohnern eine individuelle, verbindliche Angebotspalette bei fortlaufender Reflexion zu planen und die Durchführung unter Berücksichtigung der strukturellen (personell, räumlich, finanziell) Rahmenbedingungen zu koordinieren.
    Das Betreuungsteam ist dabei gefordert, den Dialog zu suchen, d.h. der Bewohnerin/dem Bewohner empathisch und akzeptierend zu begegnen, Angebote zu setzen und ihre/seine Wünsche mit ihr/ihm zu formulieren.
    Der Bogen „Individuelle Zukunftsplanung“ wird multiprofessionell erstellt und ist Teil der gesamten Krankengeschichte.

Wir unterscheiden Gruppenangebote und individuelle, den besonderen Bedürfnissen des Einzelnen angepasste Angebote.

In Kleingruppen aber auch einzeln werden Freizeitangebote (Kaffeehausbesuche, Veranstaltungen, etc.) gesetzt.

Unterscheiden sich die Angebote formal nicht von jenen hochbetagter Bewohnerinnen und Bewohner, so werden die Inhalte wesentlich auf die Altersstruktur der jüngeren Zielgruppe abgestimmt.

Angehörigenintegration

  • Eine intensive Zusammenarbeit mit den Angehörigen bzw. Vertrauenspersonen, im Sinne einer Integration derselben in die Tagstrukturierung,  zur Förderung der sozialen Teilhabe,  ist unabdingbar.

Professionelle, individualisierte Angebote sind auf die jeweiligen Angehörigen im Sinne eines Kooperationsmodells abzustimmen.

Wohnbereich Rosental 
Die Bewohnerinnen und  Bewohner des  Wohnbereiches werden entsprechend dem Standard der Pflegewohnhäuser durch ein Team aus Pflege, Medizin und therapeutischen Berufsgruppen betreut, welches um Mitarbeiterinnen aus Sozialtherapeutischen/-pädagogischen Berufsgruppen ergänzt wird

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