Chronik

Die Geschichte des Kaiser-Franz-Josef-Spitals

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts insbesondere in Zeiten von Infektionsepidemien wurden die Kapazitäten der damals bestehenden Wiener Spitäler zu knapp. Im Jahr 1884 wurde der Beschluss zum Bau eines weiteren Krankenhauses in Wien gefasst. 1887 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Ein Jahr darauf war der erste Pavillon mit 60 Betten fertiggestellt und wurde mit an Blattern erkrankten Patienten belegt. Die Eröffnung des 'k.k. Krankenhaus Favoriten' fand statt. 1889 wurde das Haus zunächste in '4.k.k. Krankenhaus' umbenannt und nach einem persönlichen Besuch des Kaisers erhält es den Namen 'k.k. Kaiser-Franz-Josef-Spital'.

Bis zum Jahr 1891 wurden 7 Pavillons mit rund 450 Betten fertiggestellt. 1905 wurde mit dem Bau von zwei Pavillons mit insgesamt 100 Kinderbetten (Pollak'sche Kinderpavillons)  begonnen, die am 18.8.1906 eröffnet wurden. Die Entwicklung des Spitals war durch die Errichtung verschiedenster Ambulanzen sowie eines Röntgenlaboratoriums 1909 im wesentlichen abgeschlossen.

Im Zuge der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde das Spital 1938 dem Reichsgau Wien übergeben und in 'Robert Koch Krankenhaus' umbenannt. Während des 2. Weltkrieges dienten mehrere Pavillons als Kriegslazarett. In den Jahren 1944/45 wurden 90 % der Anstaltsobjekte durch über 100 Bombentreffer schwer bzw. zur Gänze zerstört. Der medizinische Betrieb musste vorübergehend eingestellt werden. Es erfolgte eine Evakuierung von Abteilungen in andere Krankenhäuser. Nach Kriegsende begannen die damaligen Bediensteten mit dem Wiederaufbau des Hauses, sodass eine schrittweise Betriebsaufnahme noch 1945 erfolgen konnte.

1955 konnten Wiederauf- und Neubau weitgehend abgeschlossen werden. Die evakuierten Abteilungen wurden rückübersiedelt, die Kinderabteilung wurde aufgrund der ausreichenden Versorgung durch das Gottfried von Preyer'sche Kinderspital geschlossen.

Die folgenden Jahrzehnte waren von einer stetigen Weiterentwicklung gekennzeichent. Anfang der 80'er Jahre war ein Bettenstand von mehr als 1.000 erreicht. 1986 erhält das Kaiser-Franz-Josef-Spital als erstes Schwerpunktkrankenhaus der Stadt Wien eine Psychiatrische Abteilung mit 50 Betten zur Betreuung der aus dem 10. Wr. Gemeindebezirk stammenden Patienten mit akut- und gerontopsychiatrischen Erkrankungen.

1996 wurde das neu erbaute Institut für Radioonkologie in Betrieb genommen. Durch eine Medizintechnik der jüngsten Generation wirde eine möglichst nebenwirkungsarme Krebsbehandlung ermöglicht. Gleichzeitig wurde das Schnittbildzentrum im Rahmen des Zentralröntgeninstitutes errichtet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Die weitere Entwicklung um die Wende zum nächsten Jahrtausend umfasst die Neuerrichtung des Pathologisch-bakteriologischen Institutes, den Ausbau des Institutes für Labordiagnostik, den Ankauf einer angrenzenden Liegenschaft für logistische Verbesserungen, die Errichtung einer zentralen Gebäudeleittechnik, die Errichtung einer zentralen Kälteversorgung, die Erweiterung der Neurologie mit Errichtunge einer Stroke-Unit-Einheit, den Neubau der Küche und die Errichtung einer Tiefparkgarage.

Das Kaiser-Franz-Josef-Spital präsentiert sich heute als modernes Schwerpunktkrankenhaus mit 745 Betten innerhalb der Unternehmung Wiener Krankenanstaltenverbund. Angeschlossen sind die Ausbildungseinrichtungen Schule für Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege und Akademie für den Physiotherapeutischen Dienst.

Nach Betriebsaufnahme des Geriatriezentrums im Jahr 2003 erfolgt eine Betriebsführung als Standort Sozialmedizinisches Zentrum Süd - Kaiser-Franz-Josef-Spital und Geriatrietzentrum Favoriten. In diesem Jahr wird auch der bestehende öffentliche Haupteingang beim Martin-Luther-King-Park geschlossen und in der Kundratstraße weiter in Richtung Unfallkrankenhaus Meidling als völlig neu gestalteter Eingang bzw. Einfahrt verlegt.

Die weitere Entwicklung soll konsequent fortgesetzt werden. Als Schwerpunkte sind dazu der Ausbau der Dialyse, die Restdigitalisierung des Zentralröntgeninstitutes, die Errichtung eines interventionell-angiografisch-kardiologischen Kompetenzzentrums inklusive Herzkatheter, der Generalsanierung der OP-Sälen, die Errichtung eines Mutter-Kind-Zentrums oder der Neubau der Schule zu sehen.

 

Die Geschichte des Gottfried von Preyer'schen Kinderspitals:

Das Gottfried von Preyer'sche Kinderspital verdankt seine Gründung und seinen Namen einer Stiftung des Kaiserlichen Rates Gottfried von Preyer, Komponist und Domkapellmeister der Wiener Metropolitankirche zu St. Stephan.

Auf dem damals noch unverbauten Busch- und Wiesenland des Laaer Berges sei er - so wird überliefert - in einer kalten Nacht einer verzweifelten Frau mit ihrem sterbenden Kind in den Armen begegnet. Dieses Erlebnis hätte ihn bewogen in seinem Testament die Errichtung eines Kinderspitals aus den Mitteln seiner Hinterlassenschaft zu verfügen. Gottfried von Preyer starb 1901 und hinterließ 2 Millionen Goldkronen. Es dauerte aber noch 5 Jahre, bis das entsprechende Grundstück erworben werden konnte, und weitere Jahre vergingen bis zur Planung des Gebäudes.

In den Jahren 1910 bis 1914 wurde das Spital schließlich gebaut und 4 Krankenstationen mit insgesamt 80 Betten, einem Ambulatorium, einer Wäscherei und einer 'Ökonomie' eingerichtet. Den Betrieb übernahmen Ordensschwestern von der 'Kongregation der Dienerinnen vom Heiligsten Herzen Jesu'. Kurator der Stiftung war die Erzdiözese Wien. Doch ehe das neue Kinderspital die ihm zugedachte Funktion übernehmen konnte, brach der 1.Weltkrieg aus und es wurde als Lazarett für 120 Blessierte dem Wiener Garnisionsspital angegliedert. Gleich nach Kriegsende wurde das Haus jedoch wieder widmungsgemäß als Kinderspital verwendet.

Die schweren Nachkriegsjahre brachten große finanzielle Probleme mit sich, die nur durch zum Teil erhebliche Spenden und ausländische Hilfsaktionen überwunden werden konnten.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Krankenhaus durch verschiedene Zu- und Anbauten vergrößert.

Mit dem Anschluß Österreichs an Deutschland im Jahre 1938 wurde auch hier alles anders.
Am 18. Jänner 1939 wurde das Kuratorium aufgelöst und die Stiftung in das Eigentum der Stadt Wien übertragen. Die neue Bezeichnung des Spitals lautete ab diesem Zeitpunkt 'Wiener städtisches Kinderkrankenhaus Favoriten'.

Der 2.Weltkrieg folgte, und wegen schwerer Bombenschäden mußte das Spital im Frühjahr 1945 gesperrt werden.

Am 01. Juli 1945 wurde der Spitalsbetrieb unter dem Namen 'Gottfried von Preyer'sches Kinderspital' wieder aufgenommen. Als Kurator fungierte wieder die Erzdiözese Wien.

Im Jahr 1946 wurde eine Kinderkrankenpflegeschule errichtet. In den Folgejahren wurde das Spital weiter ausgebaut, angrenzende unverbaute Grundstücke in das ursprüngliche Anstaltsareal einverleibt, sodass ein größerer Garten, eine Gärtnerei und ein Autoparkplatz geschaffen werden konnten.

Im Jahr 1955 wurde das Spital von der Erzdiözese Wien in das Eigentum der Stadt Wien übergeben und erhielt mit 01. Juni 1956 das Öffentlichkeitsrecht.

1958-1960 erfolgte der Bau des Südtraktes, wodurch der Bettenstand auf 300 Betten erhöht werden konnte.

In den Jahren 1974-1975 mußten sich die Herz-Jesu-Schwestern wegen Personalmangel aus dem Pflegedienst zurückziehen. Dieser wurde von weltlichem Pflegepersonal übernommen.

Weitere bauliche und medizinische Schwerpunkte waren 1973-1976 der Zubau des Operations- und Röntgentraktes, 1984 die Eröffnung der neuen interdisziplinären (neonatologischen, pädiatrischen und chirurgischen) Intensivstation mit 8 Betten.

In den 90er Jahren lag der bauliche Schwerpunkt auf Generalsanierungen im stationären aber auch infrastrukturellen Bereich. Bei dieser Gelegenheit wurden auch moderne, zeitgemäße medizinische Untersuchungs- und Therapiegeräte gekauft.

Im medizinischen Bereich wurde 1990 das erste Schlaflabor (OCRG-Diagnostik) und die erste SIDS-Ambulanz zur Überwachung vom plötzlichen Kindstod gefährdeter Säuglinge in Wien eröffnet.

Die endoskopische Chirurgie im Kindesalter wurde 1992 eingeführt.

Das bestehende Therapieangebot (Psychologie, Physiotherapie, Diätassistenz) wurde 1994 um Ergotherapie und Logopädie erweitert.

Um den Bedürfnissen unserer Patienten und deren Eltern gerecht werden zu können, wurde bei der Sanierung der Stationen auch die Unterbringung von Begleitpersonen berücksichtigt.

Dadurch wurde es notwendig, den ursprünglichen systemisierten Bettenstand von 202 Betten (1990) stufenweise auf derzeit 130 Betten (2000) zu reduzieren.

Ebenfalls in den 90er Jahren wurde in Wien begonnen den stationären Gesundheitsbereich umzustrukturieren und neu zu gestalten. Nun ist die politische Entscheidung gefallen, in den nächsten Jahren das Gottfried von Preyer'sche Kinderspital in das im gleichen Bezirk vorhandene Kaiser-Franz-Josef-Spital zu transferieren. Neben wirtschaftlichen Gründen waren auch eine Reihe von qualitätsverbessernden Möglichkeiten dafür ausschlaggebend

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