Beitrag vom: 27.11.2019

"Orange the World" in der Krankenanstalt Rudolfstiftung

Patricia Holzmann vom klinisch-psychologischen Dienst im Interview zur aktuellen Kampagne


Seit Montag werden die Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbundes für 16 Tage orange beleuchtet. So beteiligt sich der KAV an der UN-Kampagne "Orange the World" und setzt damit ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Orange the world KAR - Foto: KAV / Meieregger

KAV: Wie erleben Sie die Situation von Frauen, die als Gewaltopfer ins Spital kommen?
Patricia Holzmann:
Die Frauen, die unmittelbar nach einem Gewalterlebnis ins Krankenhaus kommen, sind in erster Linie durcheinander und verstört. Sie tun sich schwer, Worte dafür zu finden, was passiert ist. Sie brauchen erst Sicherheit und Stabilität, die im vertrauensvollen und diskreten Gespräch erst erarbeitet werden müssen. Die Opfer sind auch emotional meist überfordert und brauchen erst Gelegenheit, detaillierte Infos aufzunehmen. Das braucht viel Zeit und einen eigenen Raum, damit die Betroffenen in ihrer Erzählung nicht unterbrochen werden. Auch beim Personal erfordert das Zeit und die nötige Gesprächskompetenz. Wenn Frauen erst später zur Untersuchung kommen, ist die Gesprächsführung etwas einfacher. Die Überweisung an weiterführende Institutionen ist dann leichter.

KAV: Was brauchen Frauen, damit sie frühzeitig Hilfe annehmen und sich bedrohlichen Situationen entziehen können?
Patricia Holzmann:
Körperliche und/oder sexuelle Gewalt sind Menschenrechtsverletzungen und absolut inakzeptabel! Das Wissen, wo man Hilfe und Unterstützung bekommt, ist das Wichtigste überhaupt! Die Opferschutzgruppen in den Spitälern informieren daher alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darüber, wohin sich Betroffene wenden können. Nach der Statistik ist jede vierte Frau von Gewalt betroffen. Das bedeutet, dass nicht nur unsere Patientinnen, sondern auch Mitarbeiterinnen Gewalterfahrungen machen. Die Täter sind oft Personen aus dem Bekanntenkreis, zu denen die Betroffenen in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Eigene Schulungen der MitarbeiterInnen in Gesprächsführung, Handlungsanleitungen zu Vertrauensaufbau und Empowerment sowie entsprechende Qualitätsstandards sind ganz wesentlich. Der KAV bietet gemeinsam mit dem Büro für Frauengesundheit eigene Schulungsmodule an. Das ist wichtig, um Retraumatisierungen zu vermeiden. Es geht aber auch um Prävention: Umgang mit Grenzen, Respekt und Achtsamkeit sich und anderen gegenüber kann man schon in Kindergärten und Schulen vorleben und in Workshops trainieren. Die Frauengesundheitszentren F.E.M.- Süd  und F.E.M. sowie das Männergesundheitszentrum MEN bieten dazu gendersensible Workshops an.

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