Beitrag vom: 08.08.2019

Neueste Therapien bei Lungenkrebs im Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf

Lungenkrebs-Therapien wurden in den letzten Jahren immer besser

Interview Dr. Hochmair; Foto: KAV

Österreich liegt mit 4.500 Lungenkrebs-Neuerkrankungen pro Jahr im Spitzenfeld. Hauptursache ist nach wie vor das Rauchen. Mit der Übersiedlung der 1. Pulmologie und Thoraxchirurgie aus dem Otto-Wagner-Spital sind auch die ExpertInnen zur Behandlung von Lungenkrebs-Erkrankungen ins Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf eingezogen.

OA Dr. Hochmair, Leiter der pneumo-onkologischen Ambulanz und Tagesklinik informiert über neue und moderne Behandlungsmethoden bei Lungenkrebs im Interview.


Was ist Hauptursache von Lungenkrebs?
Rauchen ist in 85 bis 90 Prozent der Fälle der Grund für Lungenkrebs. In den anderen Fällen haben Menschen genetische Veränderungen in den Zellen, die Lungenkrebs begünstigen.

Warum trifft immer mehr Frauen die Diagnose Lungenkrebs?
Die Zigarette ist bei den Frauen ab den 1960er Jahren modern geworden. Bis dahin haben vor allem Männer geraucht. Seit den 1990er Jahren steigt die Zahl an Raucherinnen massiv an und soll laut Prognose bereits in 10 Jahren die Zahl der männlichen Raucher übersteigen.

Wie haben sich die Behandlungsmöglichkeiten verändert?
Vor rund zehn Jahren noch war eine Chemotherapie die einzige Möglichkeit, Krebs zu behandeln. In der Zwischenzeit haben wir erkannt, dass Krebs individuell behandelt werden muss. Lediglich 20 bis 30 Prozent der Betroffenen sprechen auf eine Chemotherapie an. Andererseits reagieren bei individuellen Methoden nun 90 oder sogar 99 Prozent der PatientInnen.

Wie sehen die neuen Therapieformen genau aus?
Da gibt es zum einen Immuntherapie. Sie wird bei erkrankten RaucherInnen eingesetzt. Vereinfacht gesagt wird dabei das eigene Immunsystem aktiviert, damit es Tumorzellen erkennt und attackiert. Im Idealfall verschwinden diese dadurch ganz oder werden zumindest kleiner. Bei einigen PatientInnen kombinieren wir mit einer Chemotherapie, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Wie wird noch behandelt?
Vor allem für Menschen mit genetisch bedingtem Lungenkrebs steht eine sogenannte zielgerichtete Therapie mit Tabletten zur Verfügung. Dabei sollen Rezeptoren, die das Wachstum des Tumors in der Zelle fördern, gezielt blockiert werden.

Was sind die Vorteile der neuen Therapien?
Sie verschaffen den Betroffenen vor allem mehr Zeit. Früher hat man mit einem Lungenkarzinom im Schnitt zwölf Monate gelebt. Heute steht den PatientInnen die bis zu vierfache Lebenszeit zur Verfügung. Auch sind die möglichen Nebenwirkungen vergleichsweise gering.

Muss Lungenkrebs in Zukunft tödlich sein?
Unser Therapie-Ziel ist es, dass Lungenkrebs eines Tages zu einer chronischen Erkrankung wird. Bei gewissen PatientInnen funktioniert das bereits. Mit der Immuntherapie und den zielgerichteten Therapien behandeln wir erfolgreich jene, denen wir früher wenig Chancen zugerechnet haben.

Wie schütze ich meine Lunge am besten?
Am besten, man beginnt erst gar nicht mit dem Rauchen. Die Gefahr, an COPD (Anm.: chronisch obstruktive Lungenerkrankung) oder Lungenkrebs zu erkranken ist damit äußerst gering.

Welchen Beitrag kann die Öffentlichkeit dabei leisten?
Wir sind in Österreich leider an letzter Stelle im EU-Vergleich, was den Nichtraucherschutz anbelangt. Ich bin absolut für ein Rauchverbot auf Spielplätzen, vor Kindergärten oder Schulen. Wir sehen einfach, dass in Ländern mit starkem Nichtraucherschutz, die Zahlen der Lungenkrebs-PatientInnen stark zurückgehen.

Haben Sie noch einen Ratschlag für uns?
Für Raucherinnen und Raucher gilt: Jede Zigarette, die nicht mehr geraucht wird, ist ein Gewinn für die Gesundheit. Egal, in welchem Alter. Nicht nur das Lungenkrebsrisiko wird enorm gesenkt, sondern auch das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, wird mit der ersten Zigarette, die nicht mehr geraucht wird, deutlich gesenkt.

Link zu Internetseite KHN: „Abteilung für INNERE MEDIZIN UND PNEUMOLOGIE



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