Beitrag vom: 22.08.2018

Sommergrippe

Zehn Antworten von KAV- Expertin Sabine Hagenauer-Drektraan auf Fragen, die wir uns jedes Jahr stellen.

Sommergrippe; Foto: iStock / dima sidelnikov

Gibt es bei der Sommergrippe einen Unterschied zur echten Grippe?

Die Sommergrippe ist ein Begriff, den es im medizinischen Sprachgebrauch nicht gibt. Er wird umgangssprachlich als Überbegriff für grippale Infekte, die während der Sommermonate auftreten verwendet. Typische Symptome sind Husten, Schnupfen, Hals- oder Ohrenschmerzen begleitet von erhöhter Temperatur oder Fieber mit allgemeinem Krankheitsgefühl. Aber auch Erbrechen und Durchfall sind mögliche Symptome. Als Auslöser gelten vor allem Enteroviren, insbesondere Echo- und Coxsackieviren, sowie Adenoviren, Rhinoviren und Humane Parainfluenzaviren. Diese breiten sich besonders unter feuchtwarmen Bedingungen, wie sie in den Sommermonaten in Wien vorherrschen, aus. Im Gegensatz zur Grippe, welche durch Influenzaviren verursacht wird, sind die Symptome in der Regel wesentlich milder und der Verlauf ist kürzer. Natürlich kann in äußerst seltenen Fällen auch im Sommer einmal eine Influenza auftreten. Wenn man daran erkrankt, sind die Symptome dieselben wie im Winter. Das heißt, hohes Fieber und starke Muskel- und Gliederschmerzen. Ein milder Verlauf einer Influenza unterscheidet sich von der Sommergrippe nicht. Der Unterschied wäre dann nur mittels Antigentest oder weiterer Labortests nachweisbar.

Wie ansteckend ist die Sommergrippe - sind meine Familienmitglieder gefährdet?

Da die Ansteckung über Tröpfchen- und Schmierinfektion erfolgt, sind vor allem im selben Haushalt lebende Personen gefährdet ebenso zu erkranken. Durch regelmäßiges Lüften der Räume und Händewaschen, kann das Risiko jedoch reduziert werden.

Was begünstigt die Ansteckung mit einer „Sommergrippe“?

Wie bereits erwähnt erfolgt die Ansteckung über  Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Das bedeutet, dass die Viren über die Luft oder durch direkten Kontakt  auf die Schleimhäute gelangen, wo sie sich dann vermehren. In klimatisierten Räumen, bei starker Zugluft oder bei unzureichender Trinkmenge bei hohen Außentemperaturen sind die Schleimhäute trocken, was das Eindringen der Viren in die Schleimhautzellen begünstigt. Ein geschwächtes Immunsystem durch Schlafmangel, ungesunde Ernährung oder negativen Stress begünstigt dann die Ausbreitung im Körper. Auch chronische Erkrankungen wie z.B. Diabetes, COPD, Herzinsuffizienz oder Tumorerkrankungen sind generell Risikofaktoren für die Erkrankung an einem grippalen Infekt. Speziell Personen, die viel Kontakt mit Menschen haben, sind gefährdet und sollten darauf achten ausreichend zu trinken und sich regelmäßig die Hände waschen.

Sind die Symptome dieselben wie bei der Grippe im Winter?

Die Symptome der Sommergrippe  verlaufen in der Regel milder und kürzer als bei der Grippe. Je nach Erreger stehen eher respiratorische Symptome, wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen (Rhinoviren, Adenoviren), oder gastrointestinale Symptome mit Erbrechen und/oder Durchfall (Enteroviren) im Vordergrund. Vor allem das allgemeine Krankheitsgefühl mit Muskel- und Gliederschmerzen ist in der Regel nicht so stark ausgeprägt wie bei der Influenza.

Sollte man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, oder nur bei bestimmten Symptomen?

Grundsätzlich heilt eine Sommergrippe von selbst aus. Sollten jedoch erschwertes Atmen, Kopfschmerzen ohne Besserung auf Schmerzmittel  oder Schwindelgefühl und Kollaps als Zeichen einer Dehydratation auftreten, sollte umgehend eine Ärztin bzw. ein Arzt konsultiert werden. Auch wenn das Fieber nach 4 Tagen noch nicht abgeklungen ist, ist eine Vorstellung bei der Hausärztin bzw. beim Hausarzt angeraten. Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen sollten aufgrund des höheren Risikos einer bakteriellen Superinfektion schon früher ihre Ärztin bzw. ihren Arzt aufsuchen.

Wie kuriert man am besten die Sommergrippe aus?

Wie bei jedem grippalen Infekt sollte man dafür sorgen viel zu trinken und dem Körper Ruhe zu gönnen. Fiebersenkende bzw. schmerzstillende Medikamente sollten nur bei schweren Verläufen und/oder akuten Schüben von chronischen Grunderkrankungen in Rücksprache mit der Hausärztin bzw. dem Hausarzt eingenommen werden. Dies sind aber rein symptomatische Maßnahmen und verlängern mitunter den Krankheitsverlauf, da die Infektabwehr durch das Immunsystem dadurch beeinträchtigt wird. Zusätzlich sollten die schweren Nebenwirkungen von fiebersenkenden Medikamenten wie Allergien, schwere Hautausschläge, Hepatitis, etc. beachtet werden.

Darf man die Bettruhe auch im Freien, bei Sonnenschein im eigenen Garten „genießen“?

Auf keinen Fall sollte man mit einem viralen Infekt in die Sonne gehen. Die Hitze entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit und schwächt das Abwehrsystem. Ein Aufenthalt im Schatten und reichliche Zufuhr nicht alkoholischer Getränke, am besten Wasser, sind ratsam.

Wie lange dauert es, bis die Sommergrippe auskuriert ist - kann man nach wenigen Tagen nach den ersten Symptomen eine Urlaubsreise antreten?

Die Sommergrippe dauert in der Regel nur einige Tage, kann aber bis zu einer Woche Beschwerden machen, bei Komplikationen auch länger. Eine Reise sollte man erst antreten, wenn man zumindest 24 Stunden fieberfrei ist und die anderen Beschwerden im Abklingen sind.

Kann man sich gegen die Sommergrippe impfen lassen bzw. ist man noch geschützt, wenn man sich im Winter hat impfen lassen?

Nein, gegen die Sommergrippe gibt es keine Impfung, da  verschiedene Viren als Auslöser in Frage kommen.  Da es sich bei den Erregern nicht um Influenzaviren handelt, ist hier auch die im Winter durchgeführte Influenzaimpfung unwirksam.

Welche Formen der Komplikationen gibt es bei der Sommergrippe und was ist dann zu tun?

Die häufigsten Komplikationen sind bakterielle Superinfektionen, wie eitrige Bronchitis, Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung. Dann kann der Einsatz von Antibiotika erforderlich werden. Bei starkem Erbrechen und Durchfall kann es vor allem bei älteren Personen, Kleinkindern oder  Personen mit Grunderkrankungen des Herzens, des Gehirns oder Stoffwechselerkrankungen rasch zu einer Dehydratation kommen. In diesem Fall kann der Flüssigkeitsersatz in Form von Infusionen in einem Krankenhaus nötig sein. Sehr seltene Komplikationen sind Gehirnhaut- oder Herzmuskelentzündung. Bei Kopfschmerzen, welche auf schmerzstillende Medikamente nicht besser werden, ist unmittelbar eine Ärztin bzw. ein Arzt aufzusuchen, ebenso bei Atemnot oder Wasseransammlungen in den Beinen.


Verantwortlich für diese Seite:
Vorstandsbereich Kommunikation - Internet (Generaldirektion)