Beitrag vom: 05.07.2018

Quallenkontakt im Urlaubsparadies

Fakten und Infos vom Experten

Schwimmende Quallen im Wasser; Foto: iStock / MJ_Prototype 
Oberarzt Dozent Doktor Paul Sator von der Dermatologische Abteilung des Krankenhaus Hietzing erklärt was passiert, wenn man mit dem Gift einer Qualle in Berührung kommt.

Bei  Berührung explodieren die Nesselzellen und dringen wie Harpunen mit einem Druck von bis zu 200 Bar in unsere Haut ein. Dies führt zu sofort auftretenden, brennenden Hautrötungen mit anhaltenden Schmerzen, ähnlich einer Verbrennung. Das Gift der Quallen ruft nicht nur eine allergische Reaktion hervor, sondern auch oft einen großen Schrecken. Bei den meisten Quallenarten besteht für die Schwimmerin bzw. den Schwimmer keine Lebensgefahr, unter Umständen kann jedoch, durch Auftreten eines anaphylaktischen Schockes, auch eine lebensbedrohliche Situation entstehen.

Erste Hilfe, aber richtig:
Bewahren Sie Ruhe!  Und schwimmen sie schnell an Land, denn durch das wilde Herumschlagen im Wasser werden noch weitere Nesseln der Qualle aktiviert. In Folge sollte der verletzte Körperteil untersucht werden an dem noch weiterer Medusenschleim haftet, mit noch nicht aktivierten Nesselzellen. Diese Hautstelle darf nur mit Meereswasser oder Essig vorsichtig gesäubert werden. Bitte niemals mit Süßwasser oder Alkohol reinigen, denn diese führen zu Entladung der Nesselkapseln! Weiters können die betroffenen Hautstellen mit trockenem Sand oder Rasierschaum bedeckt werden und anschließend mit einem stumpfen Gegenstand die verbliebenen Nesselkapseln abgeschabt werden.

Neueste Erkenntnisse zeigen, dass 42 bis maximal 45°C warmes Wasser in dem der betroffene Körperteil eine halbe Stunde bis eine Stunde gebadet werden sollte, das Nesselgift deaktivieren dürfte. Hier ist jedoch auf zusätzliche Verbrühungen zu achten.
Entwickelt die Schwimmerin oder der Schwimmer zusätzlich Atembeschwerden, Brechreiz und eine Schocksymptomatik bzw. ist ein Augenkontakt mit einer Qualle zustande gekommen, sollte sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Die beste Behandlung ist jedoch die Vorbeugung. Es gibt spezielle Quallenschutzmittel in Apotheken, die, ähnlich wie eine Sonnencreme, aufgetragen werden. Dadurch wird verhindert, dass das Sekret der Tentakel in die Haut eindringen kann.

Weitere Behandlung:
Nach der Ersten Hilfe sollte die Haut gekühlt werden und die betroffene Persone sollte viel Wasser trinken. Die Kühlung kann auch mit wechselnden Essigkompressen abgewechselt werden. Anschließend kann lokal eine Kortisoncreme aufgetragen werden und ein Antihistaminikum bzw. Kortison in Tablettenform verabreicht werden. Aus den strichförmigen Rötungen können leider gelegentlich Narben bzw. bleibende Pigmentstörungen werden. Um dies bestmöglich zu beeinflussen, sollte anschließend die betroffene Hautregion vor UV-Licht geschützt werden. Wichtig: Ziehen Sie hier immer eine Ärztin oder einen Arzt zu Rate!

Gibt es bei Kindern etwas, worauf man besonders achten muss?
Quallenkontakte können für Kinder aber auch für Allergikerinnen und Allergiker unter Umständen sehr gefährlich werden. Kinder sollten daher besonders über Quallen aufgeklärt werden, damit sie diese nicht mit einem Spielzeug verwechseln. Bei Kindern sollte man daher nach einem Quallenkontakt vermehrte Achtsamkeit an den Tag legen, um rechtzeitig eine Schocksymptomatik zu erkennen. Vorbeugend können besondere Quallenschutzmittel , in besonderen Situationen kann ein dünner Neoprenanzug und eine Schwimm- bzw. Taucherbrille hilfreich sein. Vermieden werden sollten T-Shirts und lange Shirts, in denen sich nämlich Quallen noch viel leichter verfangen können.

Allgemeines zu den faszinierenden Tieren:
Quallen, welche auch als Meduse bezeichnet werden, gehören zu den Nesseltieren. Diese Meerestiere haben zwar kein Gehirn, bestehen zu 99% aus Wasser und zwei einschichtigen Gewebslagen, der Außen- und der Innenhaut, tragen jedoch sehr giftige Waffen mit sich. Ihre Nesselkapseln dienen einerseits zum Beuteerwerb und andererseits als Verteidigungswaffe. Ihre Tentakel können bis zu 20 Meter lang werden. Die Quallen sind den Meeresströmungen ausgeliefert und vermehren sich vor allem durch spezielle Witterungsverhältnisse, wie milde Winter mit hohen Wassertemperaturen und eine Überdüngung der Meere. Die meisten Quallen im Mittelmeer sind ungefährlich, doch in anderen Meeren, vor allem in Ost- und Westaustralien, kommen auch tödliche Quallenarten vor.



 

Verantwortlich für diese Seite:
Vorstandsbereich Kommunikation - Internet (Generaldirektion)