Beitrag vom: 27.11.2017

Voller Erfolg für den 1. KAV-Wundtag

200 TeilnehmerInnen und Industrie-VertreterInnen tauschen sich im Bildungszentrum der Wiener Arbeiterkammer aus.

1. KAV-Wundtag; Foto: Zeynep Arslan Rund 200 TeilnehmerInnen und 16 Verbandstoff-Produzentinnen sowie Vertriebsfirmen absolvierten am 17. November 2017 ein abwechslungsreiches Programm. Bereits im Vorjahr hatte die Leitung der Arbeitsgruppen für „Professionelle Versorgung chronischer Wunden (PVcW)“ im KAV dieses Projekt organisiert.

Erfahrungsaustausch

Bilder vom 1. KAV-Wundtag; Foto: KAV / Arslan

Die Organisatorin des 1. KAV-Wundtages, Gabriele Hastermann (Chirurgische Abteilung Krankenanstalt Rudolfstiftung) eröffnete die Veranstaltung mit folgenden Worten: „Das moderne Wundmanagement chronischer Wunden wurde in den letzten Jahren erfolgreich in allen Häusern des Krankenanstaltenverbunds als Therapieform etabliert. Auch die Therapien selbst unterliegen immer neuen Anforderungen. Die notwendig hohe Expertise und der anhaltende Kostendruck erfordern die engagierte Zusammenarbeit aller TherapeutInnen, AnwenderInnen und der Industrie. Technische Innovationen ermöglichen neue Produkte, deren Vielfalt erst die zielgerichtete Therapie chronischer Wunden ermöglichen. Meinungsbildung in der Arbeitsgruppe Professionelle Versorgung chronischer Wunden und gezielte Fortbildung vereinfachen die manchmal knifflige Produktauswahl. Nützen Sie die Gelegenheit zum gezielten Kontakt mit der Industrie und zum Erfahrungsaustausch! Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag im Dienste der Wundversorgung.“

Sicherung des modernen Wundmanagements

Michael Binder (m.) im Gespräch - Bilder vom 1. KAV-Wundtag; Foto: KAV / Arslan

Das Programm begann mit einer Eröffnungsrede von Michael Binder, Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (CMO) für die Geschäftsbereiche Health Care Management, Clinical Research Center, Transformationsprogramm und Bereichsleiter für medizinische Angelegenheiten des KAV: „Ziel dieser Veranstaltung ist es, das moderne Wundmanagement chronischer Wunden weiter zu sichern und Ihnen eine evidenzbasierte und zeitgemäße Wundversorgung näher zu bringen. Die Leitlinie zur Wundversorgung im KAV und diese gezielte Fortbildung vereinfachen sicherlich die manchmal schwierige Auswahl der therapeutischen Angebote.“

Professionelle Versorgung chronischer Wunden

Gabriele Hastermann, Chirurgische Abteilung Krankenanstalt Rudolfstiftung (l.) und Sonja Untersalmberger, Apotheke Krankenanstalt Rudolfstiftung - Bilder vom 1. KAV-Wundtag; Foto: KAV / Arslan

Nach einer knappen Vorstellung des Tagesablaufs durch Gabriele Hastermann, hat Apothekerin Sonja Untersalmberger (Apotheke, Krankenanstalt Rudolfstiftung) die Tätigkeitsfelder des PVcW vorgestellt. PVcW steht für Professionelle Versorgung chronischer Wunden und ist der Name der KAV-weit tätigen Wundgruppe unter der Leitung von Hastermann. Die Gruppe ist organisiert in fünf Untergruppen:  L für Leitlinien, P für Prophylaxe, N für Unterdrucktherapie, Z für Zukunft, A für Produktauswahl. Untersalmberger hat die Arbeit der einzelnen Untergruppen beschrieben und etwas ausführlicher die Arbeit der Produktauswahlgruppe, die sie selbst leitet.

Im zweiten Teil ihres Vortrages, der den Titel „Logistik der Verbandsstoffbestellung - Probleme & Möglichkeiten im Alltag“ trug, beschrieb die Pharmazeutin die Logistik der Verbandstoffbestellung, die in den sieben Apotheken des KAV stattfindet. Dabei wurden zuerst die vielfältigen Möglichkeiten bei der Bestellung durch die AnwenderInnen erläutert. Nicht zuletzt zeigte Untersalmberger die zahlreichen Parameter für die Bestellung durch die Apotheke wie zum Beispiel Lagergröße, Lieferhäufigkeit, Mindestbestellwerte, Schnelligkeit der Lieferung, Preiseinholung, Kommunikation mit den Firmen, etc. auf.

Zeitgemäße Wundversorgung

Bilder vom 1. KAV-Wundtag; Foto: KAV / Arslan

Diplom Gesundheits- und Krankenpfleger Norbert Fortner (Univ. Klinik für Chirurgie, Allgemeines Krankenhaus Wien) berichtete zum Thema „Zeitgemäße Wundversorgung“: „ Bei fast 80 Prozent der PatientInnen mit chronischen Wunden kommt weiterhin eine traditionelle Wundversorgung zur Anwendung. Weniger als ein Fünftel – also 15 Prozent - wird mit zeitgemäßen Wundverbänden versorgt.“

Fortner führte diverse wissenschaftliche Studien an und zitierte unter anderem aus der Metaanalyse 2013 von Matthias Augustin et al: „Das Austrocknen der Wunden mit textilen Verbandmaterialien, die andauernde und polypragmatische Behandlung mit Lokaltherapeutika, der häufige Verbandwechsel und der Irrglauben, die „atmende“ Wunde würde schneller heilen, gelten in der „modernen“ Wundversorgung als obsolet.“

Neben der Erläuterung der drei Ebenen der Wundversorgung führte Norbert Fortner außerdem die rechtlichen Aspekte der Wundversorgung sowie Abläufe des Wundmanagements, phasenorientierte Wundversorgung, Infektionsmanagement, Lokalantiseptika und verschiedene Debridements aus. Zum Schluss unterstrich Fortner die Bedeutung der Beachtung der Lebensqualität von PatientInnen und Betroffenen.

Matrixmetalloproteasen

Gabriele Hastermann erklärte in ihrem Vortrag mit dem Titel „MMP muss man kennen?“  die Matrixmetalloproteasen. Dabei verwendete sie zahlreiche schematische Darstellungen und stellte die Inhalte der Grundlagenwissenschaft über die Pathophysiologie in der chronischen Wunde näher dar. In ihrem Vortrag ging sie auch auf die Erwägung der Nebenwirkungen durch lokale Wundtherapien ein.

Zwei Programmpunkte definierten den Höhepunkt des 1. KAV-Wundtags: Zum einen war es der Round Table zum Thema „Fallbeispiele und Strategieplanung“ und zum anderen die interaktive Übung mit 200 TeilnehmerInnen.

Interaktive Übung

Alle TeilnehmerInnen wurden zunächst in zwei Gruppen geteilt. Damit konnte die erste Gruppe dem Vortrag von Hastermann folgen, während sich die zweite Gruppe der interaktiven Übung widmen konnte. Nach einer Kaffeepause wechselten die Gruppen. Die Aufgabe der interaktiven Übung bestand in der Überprüfung bzw. Beurteilung jener Wundtherapeutika, die bei zehn Wundtypen zur Anwendung kamen. Dazu konnten sich die TeilnehmerInnen in 45 Minuten in der Industrieausstellung mit den FachvertreterInnen über diese Produkte, die gleichzeitig im KAV gelistet sind, austauschen. Die Bewertung dieser Übung wurde am Ende der Veranstaltung durch Norbert Fortner und Gabriele Hastermann mit dem Publikum diskutiert.

Round Table

Bilder vom 1. KAV-Wundtag; Foto: KAV / Arslan

Der zweite Höhepunkt war der Round Table: es diskutierten Gabriele Krikula (Chirurgische Abteilung, Krankenanstalt Rudolfstiftung), Gottfried Bayer (Abteilung für Chirurgie mit Schwerpunkt Gefäßchirurgie- Vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie, Wilhelminenspital), Vastimil Kozon (Pflegedirektion, AKH), Verena Sperker (3. Med. Abt. mit Stoffwechselerkrankungen und Nephrologie, KHR) und Karl Kocian (Pflegewohnhaus Simmering).  Die ExpertInnen stellten jeweils ein Fallbeispiel vor. Anschließend wurden die Therapiemöglichkeiten am konkreten Fall diskutiert und Fragen beantwortet.

Der Round Table wurde durch die professionelle und humorvolle Moderation von Norbert Fortner begleitet und löste so den regen Austausch auch mit dem Publikum aus. In angenehmer Atmosphäre wurden durchaus ernsthafte Probleme dargestellt und von allen anwesenden FachexpertInnen für Wundversorgung diskutiert.

Der 1. KAV-Wundtag hat noch einmal gezeigt, dass alle Personen aus dem Kreis des Wundmanagements ExpertInnen ihrer Tätigkeitsbereiche sind und im Austausch miteinander und mit der Unterstützung durch die Industrie ein großes erfolgreiches Team bilden!

Impressionen der Veranstaltung


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