Beitrag vom: 07.11.2017

Psychische Gesundheit: Mutig gegen Vorurteile und Stigmata

Fundierte Vorträge und ein abwechslungsreiches Programm beim Tag der Seelischen Gesundheit im Rathaus


Der Infotag zur Seelischen Gesundheit mit Symposium und Publikumsveranstaltung wurde am 31. Oktober 2017 als Kooperationsprojekt des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) und der Psychosozialen Dienste (PSD) im Auftrag der Stadt Wien mit einem neuen Konzept realisiert. Während die Veranstaltungen in den Vorjahren im Rathaus für die Vorträge im Nordbuffet und die Messebesuche im Festsaal situiert waren, fand heuer das gesamte Programm konzentriert im Festsaal statt.

Die BesucherInnen hatten somit die Möglichkeit sowohl die Ausstellungsstände der psychiatrischen Einrichtungen Wiens zu besuchen, als auch das vielfältige und informative Programm auf der Bühne mitzuverfolgen.

Tag der Seelischen Gesundheit 2017; Foto: steffi dittrich

Mag.a Claudia Zuser

Vorurteile und Stigmata erhöhen den Leidensdruck

Nach der Begrüßungsrede durch Gemeinderat Christian Deutsch bereicherten vier Vorträge von ExpertInnen des KAV und der PSD den inhaltlichen Teil der Veranstaltung. Mag.a Claudia Zuser von der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Behindertenpsychiatrie für Erwachse im Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügelvon der erklärte dem interessierten Publikum, dass mindestens zehn Prozent aller Kinder  und Jugendlichen, die bis zur Volljährigkeit an einer psychischen  Störung erkranken einer Behandlung bedürfen.

Ihre These: „Vor allem Vorurteile bezüglich kinder- und jugendpsychiatrischer Krankheitsbilder und damit verbundene Stigmata begünstigen ungünstige Prognosen, Behandlungsverzögerungen und erhöhen den Leidensdruck von PatientInnen und Angehörigen.“ Mit konkreten Fallbeispielen verlieh Mag.a Zuser ihren Ausführungen mehr Ausdruck und wies darauf hin, dass es noch mehr Sensibilisierung zu diesem Thema in der Gesellschaft bedürfe.

Tag der Seelischen Gesundheit 2017; Foto: steffi dittrich

Univ.-Prof. Dr. Johannes Wancata

Viele falsche Vorstellungen in der Arbeitswelt

Univ.-Prof. Dr. Johannes Wancata, Leiter der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie in der Meduni Wien, betonte in seinem Vortrag, dass in der Arbeitswelt viele falsche Vorstellungen herrschen würden. Im Gegensatz zu den vorherrschenden Vorurteilen und Stigmata, könnten die Menschen sehr wohl auch mit ihren psychischen Erkrankungen ihrer Arbeit nachgehen. Sein Appell: „Die Integration dieser Menschen sei sogar von größter Bedeutung und es sei eine Irrmeinung zu glauben, dass diese Menschen ihren KollegInnen und Vorgesetzten das Leben schwer machen.“

 

 

Tag der Seelischen Gesundheit 2017; Foto: steffi dittrich

Prim.a Dr.in Asita Sepandj

50 Millionen demenzkranke Menschen weltweit

Prim.a Dr.in Asita Sepandj, ärztliche Leiterin des Geronto Psychiatrischen Zentrums des PSD erklärte, dass weltweit ca. 50 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt sind. Der Schwerpunkt in diesem Vortrag lag darin, zu erklären, dass Stigmatisierungen durch das Umfeld dazu führen, dass Symptome verheimlicht werden. Oft würde eine rechtzeitige Behandlung, Unterstützung, Beratung und Begleitung dieser Erkrankung ein würdevolles Leben fördern.

Weiters zeigte Dr.in Sepandj Zukunftsprognosen für die Entwicklung dieser Erkrankung auf und erklärte, dass aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung auch diese Erkrankung in der modernen Gesellschaft immer öfter vorkommen werde.


Tag der Seelischen Gesundheit 2017; Foto: steffi dittrich

Chefarzt Dr. Georg Psota

Soziale Schicksale

Chefarzt Dr. Georg Psota, Leiter der Psychosozialen Dienste Wien, unterstrich in seinem Vortrag, dass psychische Erkrankungen vor allem auch soziale Schicksale seien. Dadurch leiden die Betroffenen und ihre Angehörigen nicht nur aufgrund der Erkrankung selbst, sondern auch unter der gesellschaftlichen Reaktion auf diese.

Chefarzt Psota argumentierte, dass insbesondere die Medien einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hätten, „denn sie gestalten die öffentlichen Bilder“.

 

 

Tag der Seelischen Gesundheit 2017; Foto: steffi dittrich

Groove Department

Kabarett „Mit Vollgas zum Burnout“

Der Tag der Seelischen Gesundheit wurde mit der Kabarettvorführung „Mit Vollgas zum Burnout“ vom österreichischen Schauspieler Werner Brix bereichert, die „eine Betrachtung der globalen Gesellschaft und ihres hierarchischen Systems und eine Durchleuchtung der Dimension Zeit zum Thema“ hatte.

Besondere und reichlich unterhaltsame musikalische Darbietung kam vom „Groove Department“, das mittlerweile vor mehr als zehn Jahren von pro mente Wien als Projekt für Menschen mit psychischen Erkrankungen ins Leben gerufen wurde.

Heilwig Pfanzelter begleitete das interessierte Publikum mit ihrer Moderation durch den gesamten Programmablauf, der mit einer Podiumsdiskussion mit Werner Brix, Irene Burdich (HPE Österreich: Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter), Prim.a. Dr.in Margit Wrobel (Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie), Chefarzt Dr. Georg Psota und Univ.-Prof. Dr. Johannes Wancata (Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, ÖGPP) endete.

Tag der Seelischen Gesundheit 2017; Foto: steffi dittrich

Verleihung der Urkunde durch KAV-Direktorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb (2.v.l.) an den Journalisten Wolfgang Wagner (2.v.r.)

Verleihung der Stephan-Rudas-Auszeichnung

Der Tag der Seelischen Gesundheit wurde mit der Verleihung der Stephan-Rudas-Auszeichnung für fundierte Berichterstattung über psychische Erkrankungen gekrönt. „Stephan Rudas war der Wiener Psychiatriereformer, dem es gelang die richtigen Worte für die öffentliche Wahrnehmung zu psychischen Erkrankungen und psychisch Erkrankten zu finden,“ so Chefarzt Psota.

Die Auszeichnung ging dieses Mal an den APA-Redakteur Wolfgang Wagner für seine gelungenen und vor allem entstigmatisierenden Artikel und Beiträge zu psychischen Erkrankungen. 

Impressionen vom Tag der Seelischen Gesundheit

 

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