Beitrag vom: 19.01.2016

Wiener Spitalskonzept 2030: Nächste Schritte für Spitäler der Zukunft

Internationale Standards sichern Qualität der Gesundheitsversorgung

Expertinnen; Foto: PID / David Bohmann

Expertinnen
Foto: PID David Bohmann

Die Stadt verändert sich rasant, Wien wächst, die Ansprüche der PatientInnen steigen, die medizinische Entwicklung schreitet zügig voran. Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) muss daher mit neuen Strukturen dafür sorgen, dass die hohe Qualität der Spitalsversorgung gesichert bleibt. Mit dem Wiener Spitalskonzept 2030 wurden bereits im Jahr 2011 die Weichen gestellt. Nun werden die nächsten Schritte eingeleitet: Der KAV hat Ende 2015 die Planungen für den Medizinischen Masterplan und die Masterbetriebsorganisation abgeschlossen. Kernelemente sind die Schaffung von medizinischen Schwerpunkten und Zentren, die Bündelung von Leistungen und Qualifikationen und neue Formen der betrieblichen Abläufe. Ziel ist es, die hohe medizinische und pflegerische Qualität des Wiener Gesundheitswesens abzusichern und für künftige Entwicklungen fit zu machen.

Die medizinische Versorgung Wiens wird in Zukunft in drei Regionen organisiert. In jeder Region gibt es zwei Partnerspitäler, deren Leistungsangebot aufeinander abgestimmt und einander ergänzend ist. Das AKH bleibt als Universitätskrankenhaus in vollem Umfang und mit seinem derzeitigen Leistungsangebot bestehen.  In den Spitälern werden Zentren geschaffen, die Knowhow und Kompetenzen aus verschiedenen Fachrichtungen bündeln. Das schafft beste Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Versorgungsqualität. Mit der Schaffung von Zentren und Schwerpunkten haben andere vergleichbare Städten Europas, etwa Berlin, Stockholm oder Kopenhagen, bereits gute Erfahrungen gemacht, die ganzheitliche Behandlung und Betreuung von PatientInnen ist internationaler Trend.

Regionen und Partnerspitäler

  • Region West: Krankenhaus Hietzing und Wilhelminenspital
  • Region Nord/Ost: Krankenhaus Nord und Donauspital
  • Region Süd: Kaiser-Franz-Josef-Spital und Rudolfstiftung

Grundversorgung, Zentrale Notaufnahme und Zentren

An allen Standorten wird es eine erweiterte Grundversorgung und eine Zentrale Notaufnahme (ZNA) geben. Damit können PatientInnen in Notfällen auch weiterhin -wie das schon heute der Fall ist - ihr nächstgelegenes Spital aufsuchen. Die erweiterte Grundversorgung umfasst Angebote in der Inneren Medizin, der Allgemeinchirurgie und der Neurologie. Eine gynäkologische Grundversorgung wird an fünf von sechs Standorten angeboten. In jeder Region wird es außerdem eine akutgeriatrische Abteilung geben. Zu den Aufgaben der Zentralen Notaufnahmen werden die Ersteinschätzung, die Schockraumversorgung, ambulante und stationäre Notfallversorgung sowie die Übergabe von Patientinnen und Patienten an andere Fachbereiche gehören.

Zentren sichern Qualität

Komplexere Krankheitsbilder werden künftig in inter- und monodisziplinären Zentren behandelt. Die interdisziplinären und monodisziplinären Zentren sowie die Schwerpunkte und Kompetenzzentren an den Standorten ergänzen einander zu einer standortübergreifenden Gesamtversorgung.

Interdisziplinäre Zentren, Beispiel Onkologische Zentren

Viele Erkrankungen können heute über das Zusammenwirken verschiedener Fachrichtungen optimal behandelt werden, zum Beispiel Krebs. Zu den interdisziplinären Zentren zählen die Onkologischen Zentren, die Zentren Innere Medizin, die Herz-Gefäß-Zentren und die Eltern-Kind-Zentren.
Jede Region wird über ein onkologisches Zentrum verfügen, in dem Krebs-PatientInnen nahe ihrem Wohnort auf höchstem medizinischem Niveau behandelt werden können. Als Standorte sind das Wilhelminenspital, das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Donauspital vorgesehen. KrebspatientInnen benötigen während der Therapie viele verschiedenen Untersuchungen und Behandlungen. In den Onkologischen Zentren wirken alle diese Fachabteilungen und Institute zusammen.

Monodisziplinäre Zentren: Augenzentrum und Dermatologie- Zentrum

Für bestimmte Fachbereiche sind monodisziplinären Zentren vorgesehen. Durch die Bündelung von Kompetenzen und Strukturen werden höhere Fallzahlen erreicht und optimale Voraussetzungen für die Qualität der Behandlung und der Ausbildung sichergestellt. Bespiele für monodisziplinäre Zentren sind die neuen Ortho-Trauma-Zentren, das Augenzentrum oder das Dermatologie-Zentrum.
Die stationäre Behandlung erfolgt im großen Augenzentrum bzw. Dermatologie-Zentrum in der Rudolfstiftung. In den übrigen Spitälern werden stationär und teilstationär untergebrachte oder ambulante  Patientinnen und Patienten vom ärztlichen Konsiliardienst (AugenfachärztInnen) betreut. Als weitere Zentren werden u. a. aufgebaut: Herz-Gefäß-Zentren, Zentren für Innere Medizin, Pathologie und Labormedizin. 

Dass das Augenzentrum und das Dermatologie-Zentrum in der Rudolfstiftung angesiedelt sind bedeutet keinesfalls, dass andere Regionen und Bezirke dadurch in diesen Fächern unterversorgt sind. Das Augenzentrum in der Rudolfstiftung organisiert auch die augenheilkundliche Versorgung in den anderen Wiener Gemeindespitälern. Das betrifft sowohl die Konsiliarversorgung der stationären PatientInnen an allen Standorten als auch die ambulante Versorgung, ergänzend zum niedergelassenen Bereich.

Master-Betriebsorganisation legt Abläufe, Strukturen, Standards fest

Im medizinischen Masterplan ist festgelegt, welche medizinischen Zentren und Schwerpunkte es künftig in welchem Krankenhaus geben wird. In der Master-Betriebsorganisation sind Aufgaben, Abläufe und Struktur der Zentren definiert. Auch die verbesserte Nutzung vorhandener Infrastruktur, der optimierte Einsatz von Personal und die Festlegung von einheitlichen Standards in Medizin, Pflege und Therapie sind Bestandteil der Master-Betriebsorganisation.
Die Master-Betriebsorganisation legt unter anderem allgemeine Prinzipien für Arbeitsabläufe und für den strukturellen Aufbau von Stationen, Abteilungen und Häusern fest.

Breite Beteiligung bei bisheriger Erarbeitung und weiterer Umsetzung

Bereits 2011 präsentierte Stadträtin Mag.a Sonja Wehsely erstmals das Wiener Spitalskonzept 2030. Der Vorstand des KAV definierte im Anschluss die weitere Zielsetzung. Insgesamt waren rund 500 MitarbeiterInnen des KAV quer durch alle Fachrichtungen und Berufsgruppen an der Erarbeitung beteiligt. Ein Beirat externer ExpertInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz begleitete den Prozess. Ende 2015 konnte die Planung abgeschlossen werden.

Medizinischer Masterplan und Master-Betriebsorganisation liegen in der finalen Fassung vor. Die Umsetzung erfolgt in mehreren Phasen: kurzfristig ab 2016 bis 2018, mittelfristig ab 2019 bis 2021 und langfristig ab 2022. Während der gesamten Umsetzungsphase ist die flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten selbstverständlich sichergestellt, die eingeleiteten Verbesserungen werden nach und nach spürbar werden.  

Umsetzung am Beispiel des Augenzentrums

Bis Herbst 2016 wird gemeinsam mit den ExpertInnen ein Realisierungskonzept erarbeitet, das die augenheilkundliche Versorgung für alle Wiener Gemeindespitäler umfasst. Auf Basis der künftigen Leistungen, die im medizinischen Masterplan bereits fixiert sind, wird für das künftige Augenzentrum ein Raumprogramm und ein Organisationskonzept erstellt, darauf folgt die bauliche Planung und die Feststellung des Investitionsbedarfs. Ab 2018 soll mit der baulichen Umsetzung begonnen werden. Bis 2021 soll das Augenzentrum in der Rudolfstiftung etabliert sein.

International anerkannte Planungen

Während der Erarbeitung von Medizinischem Masterplan und Master-Betriebsorganisation stand dem KAV ein ExpertInnenbeirat beratend zur Seite, die finalen Ergebnisse wurden in Gutachten bewertet. Die Beiratsmitglieder setzen sich aus unterschiedlichen Bereichen des Spitals- und Gesundheitswesens zusammen und sind ausgewiesene Fachleute was medizinische und pflegerische Standards und die Führung von Krankenhäusern anbelangt. Für beide Projekte bestätigen die Beiratsmitglieder, dass die vorliegenden Planungen auch international „State oft the Art“ sind und der Sicherstellung einer patientInnenzentrierten Versorgungsqualität gerecht werden.

 

 

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