Archivmeldung: Beitrag vom: 27.08.2015
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Aufarbeitung der Wiener Psychiatriegeschichte nach 1945: Erster Zwischenbericht liegt vor

Wiener Krankenanstaltenverbund beauftragte ExpertInnen mit lückenloser Aufarbeitung der Geschehnisse

Nachdem der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) im Jahr 2013 von Misshandlungsvorwürfen im Pavillon 15 (1960-er bis 1980-er Jahre) erfahren hatte, wurde eine KAV-Arbeitsgruppe gebildet. Die Recherchen brachten ersten PatientInnen-Namen, die vor allem in Gesprächen mit ZeitzeugInnen genannt wurden. Die Recherchen gestalten sich aufwändig, da die Krankengeschichten nicht systematisch unter Pavillon 15 archiviert wurden. Man musste also zuerst herausfinden, welche PatientInnen dort behandelt wurden, um mit deren Namen dann nach den entsprechenden Akten zu suchen.
Über diese komplizierte Recherche ist die KAV-interne Arbeitsgruppe damals vorerst auf bis zu 70 ehemalige Pavillon 15-PatientInnen gestoßen. Bei der Sichtung des Archiv-Materials zeigten sich aus heutiger Sicht fragwürdige Behandlungsmethoden, die den 2013 geäußerten Vorwürfen entsprachen.

Rasch war klar, dass aufgrund der schwierigen Recherche-Arbeit ExpertInnen beauftragt werden mussten. Sie sollten so viele ehemalige PatientInnen des Pavillon 15 wie möglich ausfindig machen, um sich eingehend mit ihren Schicksalen befassen zu können.

Das Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) bekam daher im Herbst 2014 vom Wiener Krankenanstaltenverbund den Auftrag, eine zeithistorisch-sozialwissenschaftliche Studie zum Pavillon 15 des Otto-Wagner-Spitals und zur damaligen Abteilung für entwicklungsgestörte Kinder am Neurologischen Krankenhaus Rosenhügel im Gesamtzusammenhang der Wiener Psychiatrie und Behindertenhilfe der Nachkriegszeit zu erstellen.

Die Entscheidung der KAV-Generaldirektion wird nun durch den Zwischenbericht des IRKS bestätigt. Immerhin konnten die ExpertInnen des IRKS mit ihrer Expertise zahlreiche weitere Namen von PatientInnen ausfindig machen.
Nun kann daran gearbeitet werden, die damaligen Behandlungs- und Betreuungsmethoden im Detail zu untersuchen, Ergebnisse und Schlussfolgerungen wird das IRKS in seinem Endbericht kommendes Jahr präsentieren. Auch dieser Bericht wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Telefon-Hotline für weitere Opfer oder ZeitzeugInnen ist auch weiterhin in Betrieb Telefonnummer: 01/40409-70970 an Wochentagen von 8 bis 16 Uhr.

 

 

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