Beitrag vom: 12.07.2017

Schule SZO: Gratulation zur Promotion!

Das Team des Schul- und Fachhochschul-Studienstandortes SZO gratuliert Mag. Dr. Oliver Radinger sehr herzlich zur Promotion!

Gratulation an Mag. Dr. Oliver Radinger von Direktorin Michaela Dorfmeister, MBA; Foto: Schule SZO

Mag. Dr. Radinger beschäftigte sich in seiner Dissertation mit folgender Thematik:  
Der Turning Point auf der Intensivstation - eine systemtheoretische Untersuchung zu einem Funktionssystem Pflege bei sterbenden Patientinnen und Patienten an einer Intensivstation

Wissenschaftlich wie öffentlich geführte Debatten rund um die Würde und die Autonomie des Menschen am Ende des Lebens erfahren immer wieder Renaissancen und betreffen neben gesetzlichen Rahmenbedingungen einen Pool an Zuständigkeitsbeschreibungen und Verantwortungsbereichen unterschiedlicher Professionen. Die vorliegende Arbeit hat sich vor diesem Hintergrund vorrangig zum Ziel gemacht, die Stellung und Funktion der Pflege in der Gesellschaft zu beleuchten. Im Lichte der systemtheoretischen Überlegungen von Niklas Luhmann hat Pflege einen eigenen Aufgabenbereich auf verschiedenen (theoretisch abgrenzbaren) Ebenen – Gesellschaft, Organisation und Interaktion – inne. Diese theoretische Vorannahme soll im Rahmen dieser Arbeit (re)konstruiert und am Beispiel sterbender Patientinnen und Patienten an einer Intensivbettenstation empirisch begründet werden. Hierfür wird der sogenannte „Turning point“ als Prozessgeschehen bzw. Übergang von einer kurativen zu einer palliativen Betreuung in der letzten Lebensphase herangezogen. Es wird die Hypothese aufgestellt, dass das Funktionssystem der Krankenbehandlung keine bis kaum anschlussfähige Operationen (im Sinne der Systemtheorie) an sterbenden Patientinnen und Patienten mehr ausübt, die Pflege im Rahmen der Begleitung der Betroffenen und Angehöriger ihre Arbeit jedoch in gleicher Weise fortführt. Die gegenständliche Arbeit versteht sich als Beitrag, durch die hypothetische Formulierung und empirische Identifikation eines Funktionssystems Pflege jene Profession noch stärker in der Versorgung Bedürftiger zu positionieren und von anderen Funktionssystemen, insbesondere der Krankenbehandlung, zu emanzipieren.
Die abgeleiteten und ineinandergreifenden Forschungsfragen beinhalten die Darstellung des Prozesses einer kurativen zu einer terminalen Versorgung von Patientinnen und Patienten an einer Intensivbettenstation, Fragen der Bedeutung jenes „Turning points“ für die Herausbildung unterschiedlicher Funktionen der Medizin und Pflege sowie systemtheoretische Rückschlüsse für die Ableitung eines eigenständigen Funktionssystems Pflege. Den Anschluss an die theoretische (Re-)Konstruktion bildet eine empirische Überprüfung, für die ein qualitativer, triangulierender Forschungsansatz gewählt wurde. Hierfür wurden 50 Patientinnen-/Patientendokumentationen von Verstorbenen auf dieser Intensivstation analysiert, 17 Interviews mit Pflegepersonen und Ärztinnen/Ärzten sowie teilnehmende Beobachtungen auf der Station durchgeführt. Bei der Auswertung der Daten wurde auf die Idealtypenbildung nach Uta Gerhardt und auf die Grounded Theory zurückgegriffen. 

Mit dieser ausgezeichneten (im buchstäblichen Sinne) Dissertation wurde ein wertvoller Beitrag zur Professionalisierung der Pflege und auch zur „Emanzipierung von der Krankenbehandlung“ geleistet.  

Wir gratulieren herzlich !


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Robert Hamedinger (Schule SMZO)