Hightech im Technischen Museum mitten ins Herz
Neugierde, Wissensdurst, eigene Erfahrungen – weit über tausend Interessierte kamen vergangenen Sonntag ins Technische Museum Wien. Ein Grund dafür war die Live-Übertragung einer Herzklappen- und Bypass-Operation aus dem Krankenhaus Hietzing im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Krankenanstaltenverbund und dem Technischen Museum zur Sonderausstellung „body.check-Hightech für unsere Gesundheit“. 
„Eine Live-Übertragung einer Operation - das gab’s noch nie in einem Technischen Museum. Das ist eine echte technische Herausforderung für uns“, freute sich Museumsdirektorin Dr.in Gabriele Zuna-Kratky über die Premiere. Ganz anders für die Hietzinger Herzchirurgie: „Bei uns werden täglich bis zu vier PatientInnen am offenen Herzen operiert“, erklärte die Ärztliche Direktorin Dr.in Brigitte Ettl. Und sie ist stolz auf ihr Team aus Top-Herz- und GefäßchirurgInnen, die sich bereits zum wiederholten Mal von einer breiten Öffentlichkeit über die Schulter blicken ließen.
Sicherheitscheck vor der Operation
Für die ZuschauerInnen im Festsaal und im Medienraum des Museums war es alles andere als Routine. Zunächst der präoperative Check: Nach einer Liste wird genau abgefragt, ist es der richtige Patient, sind für einen Notfall ausreichend Blutkonserven vorbereitet, sind alle Geräte bereit usw. Diese Checkliste ist ein wesentlicher Bestandteil des Qualitätsmanagements im Krankenhaus Hietzing: „Damit wird nicht nur die größtmögliche Sicherheit des Patienten gewährleistet, sondern auch sichergestellt, dass jeder im Team genau Bescheid weiß, was in den nächsten viereinhalb Stunden passiert“, erklärte Pflegedirektorin Astrid Engelbrecht.Nichts für schwache Nerven
Als dann der Herzchirurg Dr. Martin Grabenwöger zum Brustschnitt ansetzte, herrschte fast atemlose Spannung. Hautschicht um Hautschicht wurde durchtrennt. Wie er mit dem Elektroskalpell gleichzeitig kleine Gefäße verödet und somit die Blutungen stillt, erklärte der Chirurg während der Operation. Großaufnahme: Die elektrische Stichsäge kam zum Einsatz. Das Brustbein wurde geöffnet. Spätestens hier zeigte sich, dass eine Live-OP nichts für schwache Nerven ist. Trotz Hightech-Geräten und „blutschonender Operationsmethode“ – wie Dr. Grabenwöger dies nennt - machte sich bei einigen ein mulmiges Gefühl breit. Die ersten verließen den Saal. Als ob Herzspezialist Grabenwöger das Raunen im Saal gehört hätte: „Alles nur halb so wild, wie’s aussieht“, beruhigte er gleich darauf. Öffnete den Herzbeutel, fand mit sicherer Hand die Hauptschlagader; die Herz-Lungenmaschine wurde angeschlossen.
Wieder gespanntes Warten im Saal, man hätte eine Stecknadel fallen hören können: Der Chirurg öffnete das Herz. Vorsichtig wurden die Klappenreste entfernt, die neue Herzklappe eingesetzt und überprüft. „Wunderschön“ nennt sie der Herzchirurg. Erleichtertes Aufatmen im Saal.
Interessiertes Publikum – viele Fragen
Routiniert auch der Herz- und Gefäßspezialist im Technischen Museum. Dr. Michael Gorlitzer, ebenfalls Herzchirurg in Hietzing, moderierte die Liveübertragung, erklärte den Operationsverlauf und beantwortete selbst die vielen Fragen aus dem Publikum oder leitete sie an seinen Kollegen im OP-Saal weiter. Zum Beispiel die Frage, ob auch arterielle Bypässe gelegt werden. „Ja, das hängt vom einzelnen Patienten oder der Patientin ab“, antwortete Dr. Grabenwöger, während er gleichzeitig mit vielen kleinen Stichen und Knoten die Herzarterie zunähte. Rund vier Stunden dauerte die spannende Operation, dann war sie erfolgreich abgeschlossen, der Patient bestens versorgt. Topchirurg Grabenwöger kam persönlich ins Technische Museum. Langer, anerkennender Applaus für ihn und das gesamte OP-Team als Ausdruck spürbarer Erleichterung, dass alles perfekt verlaufen war. Mitten ins Herz ging dieses Erlebnis vor allem dem Publikum.
All jene, deren Wissensdurst immer noch nicht gestillt war, konnten in der Ausstellung „body-check“ oder an den Infoständen des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) die verwendeten OP-Geräte nochmals genau in natura studieren. Die ExpertInnen aus dem Krankenhaus Hietzing standen allen Interessierten gerne Rede und Antwort. Denn - und das gilt im gesamten KAV - „Der Mensch steht stets im Mittelpunkt.“
Impressionen der Übertragung einer Live Herz OP im Technischen Museum
1. Chirurgie - Herz- und Gefäßchirurgische Abteilung im Krankenhaus Hietzing


